Corona als Chance #6 - Die (Sebastian) Kurz-Arbeit im Jahr 2021

26. April 2021, 8:30 Uhr früh. Du wachst auf. Du hast den Wecker nicht gehört. Weil du gar keinen gestellt hast. Du hast nicht verschlafen, sondern ausgeschlafen. Gemütlich aufstehen, in Ruhe duschen und "herrichten" und anschließend ein herrliches Frühstück auf deiner Sonnenterrasse, ehe du es kaum erwarten kannst, wieder in die Arbeit zu fahren.

Endlich wieder Montag! Du freust dich auf deine Kollegen und kannst es kaum erwarten, wieder in die Arbeit gehen zu dürfen. Ohne Maske, dafür mit umso mehr Leidenschaft. Du hast deinen Traumjob gefunden, besser gesagt, du hast ihn selbst kreiert. Vor Corona hättest du dir nicht erträumt, damit Geld verdienen zu können. Und nicht nur das! Du kannst dich in deinem Tun auch noch selbst verwirklichen, Sinn stiften und hilfst mit, diese Welt ein bisschen besser zu machen.

15 Uhr. Feierabend. Oder besser gesagt: "Feier-Nachmittag". Fünf Stunden Arbeit pro Tag sind genug. Vier Tage die Woche auch (einen davon ganz gemütlich im Home Office). Die neue und positive Form der (Sebastian) Kurz-Arbeit im Jahr 2021. Den Rest der lästigen ToDos erledigt die künstliche Intelligenz, während die natürliche Dummheit immer mehr abnimmt. 1.000 Euro bedingungsloses Grundeinkommen + 1000 Euro für 20 Stunden sind mehr als genug. Auch deshalb, weil du während Corona draufgekommen bist, wie wenig (materielle Dinge) du für ein erfülltes Leben wirklich brauchst. Um 15:30 bist du wieder daheim. Und es bleibt noch genug Zeit für das, was dir am wichtigsten ist: Spielen mit deinen Kindern, schöne Zweisamkeit mit deinem Traumpartner, lustiger Grillabend mit deinen Freunden oder was auch immer deinem Körper gut tut, dein Herz berührt und deinen Geist inspiriert. Am Abend fällst du müde, aber erfüllt, ins Bett, liest noch ein paar Seiten in deinem Lieblingsbuch. Was für ein schöner Tag! Du freust dich schon wieder auf morgen.

Corona als Chance? Alles anders nach dem Re-Start? Oder doch wieder zurück in die alte "Normalität"?

Der Lockdown wird gelockert. Auch wenn wir alle die Langzeitfolgen von Corona noch nicht abschätzen können, versuchen wir gerade, so gut als möglich die alte "Normalität" Schritt für Schritt wieder herzustellen. Normalität, die für einen Großteil unserer Bevölkerung folgendes bedeutet:

// Arbeiter*Innen und Angestellte gehen wieder in eine Arbeit, in der sie für den Profit eines anderen anstatt an ihren eigenen Zielen und Träumen arbeiten,
// Kinder gehen wieder zurück in die Schule, in der sie größtenteils Dinge lernen, die sie nicht interessieren, anstatt ihre individuellen Begabungen entfalten zu dürfen,
// Konsumsüchtige stürmen wieder die Geschäfte, um Sachen zu kaufen, die sie nicht brauchen.
// Profifußballer verdienen weiterhin Unsummen während Pfleger*Innen nach wie vor für einen Mindestlohn schuften.
// Unternehmer*Innen fliegen wieder für ein Meeting von Wien nach Berlin. Und am selben Tag zurück.
// Zusammengefasst: Die Jüngeren springen wieder in ihr Hamsterrad, während die Alten, die "Risikogruppe" (mein Vorschlag für das Unwort 2020) noch länger und weiter weggesperrt wird.

* Alle diese Punkte haben natürlich nichts mit dir zu tun. Ich meine die anderen.

Was muss passieren, damit endlich ein Umdenken einkehrt?

Was muss passieren, dass wir endlich gemeinsam eine Welt erschaffen, in der wir uns darauf besinnen, worum es wirklich geht, in der wir uns selbst verwirklichen können und gleichzeitig aufs große Ganze "einzahlen"?

Eine Frage, die mich seit vielen Jahren beschäftigt: "Wie erreicht man Menschen, die sich über sich selbst, ihr Leben und diese Welt - zumindest scheinbar - so überhaupt keine Gedanken machen?" Die Antwort, die ich bis jetzt für mich gefunden habe, lautet: Leider gar nicht! Zumindest nicht direkt. Aus meiner eigenen Erfahrung in den letzten Jahren kann ich sagen, dass ich mit meinen Büchern, Vorträgen, Workshops und Coachings nur Menschen erreiche, die sich selbst bereits auf den Weg gemacht haben. Manche davon stehen am Beginn ihres Umdenkens bzw. ihrer Transformation, manche gehen bereits "All-in". Aber ich habe - zumindest bewusst und wissentlich - noch niemanden wirklich erreicht, der ganz weit davon weg ist, sich selbst, das große Ganze und die Entwicklung unserer Zeit zu reflektieren.

Mein Ansatz geht seit einigen Monaten sogar genau in die Gegenrichtung - weg von Quantität, hin zur Qualität. Ich mache kaum mehr Vorträge (in den nächsten Monaten darf ich ohnehin nicht), sondern fast nur mehr 1:1 Coachings. Anstatt wie in den letzten Jahren Tausende über meine Vorträge bzw. Hunderttausende über meine ORF-TV-Auftritte zu erreichen, sind es aktuell in Summe vielleicht 20-30 Menschen, die ich übers Jahr hinweg begleite. Dafür umso intensiver und tiefgründiger. Träumer, Macher, Eltern, Coaches, Führungskräfte und andere Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. In erster Linie für sich selbst, in zweiter für ihr unmittelbares Umfeld. Der Rest kommt von selber. Ich glaube nicht an Superhelden, die alleine und "von oben" die Welt retten, sondern ich hoffe auf mutige Change Maker, die Synergien schaffen und durch viele kleinere sozial-ökologische Projekte und Unternehmen diese Welt "von unten" ein bisschen besser machen.

// So geht Veränderung: Nachhaltig, an der Basis, Schritt für Schritt.

Wer sich in unsicheren Zeiten wie diesen übrigens fragt, wie es mit dem Arbeitsmarkt weitergeht und welche Jobs wir in Zukunft brauchen: Darauf kann es aktuell keine seriöse Prognose geben! Aber was ich glaube ist, dass die wichtigsten menschlichen Fähigkeiten im 21. Jahrhundert sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch im privaten Leben Mut, Selbstverantwortung, Offenheit und Flexibilität sein werden. Unternehmer und Personalleiter werden in Zukunft viel weniger nach Titeln oder Zeugnissen fragen und einstellen, sondern viel mehr nach Werten, Eigenschaften und Leidenschaften. Die Zeiten sind ohnehin vorbei, in denen wir über Jahrzehnte den gleichen Job ausüben werden.

Eine Vision zu entwicklen, eine Richtung einzuschlagen, einen Weg zu verfolgen, ja, das macht Sinn! Aber konkrete Pläne zu schmieden oder Meilensteine zu setzen, die zu weit in die Zukunft blicken, ist aus meiner Erfahrung reine Zeitverschwendung! Dafür verändert sich diese Welt zu schnell, dafür ist das Leben zu bunt, dafür sind die Möglichkeiten zu vielfältig.

"Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall" - Friedrich Dürrenmatt

Transformation braucht Zeit. Schon bei Individuen meist Monate, manchmal Jahre. Auf nationaler oder gar globaler Ebene meist Jahre, manchmal mehrere Generationen. Da sind wir oft zu ungeduldig. Transformation hat auch kein Ende, sie ist von Natur aus ein lebenslanger Prozess. Du bist heute jemand anderer als letztes Jahr. Und spätestens alle sieben Jahre, wenn sich deine Zellen wieder völlig erneuert haben, bist du ein "neuer Mensch". Je mehr du dich dagegen wehrst, desto mehr blockierst du deine persönliche Entfaltung.

Transformation braucht Krisen. Für nachhaltige Veränderung muss ein System ins Wanken geraten, vielleicht sogar kollabieren. Corona bietet uns jetzt diese Chance. Und die nächsten Krisen stellen sich schon dahinter an: Die Wirtschafts-, Klima- oder Flüchtlingskrise, um nur ein paar zu nennen. Die Krise als das neue "Normal". Auch die nächsten Viren kommen bestimmt. Wir Menschen müssen jetzt scheinbar mit dem Fieber kämpfen, um endlich zu spüren, dass bereits die ganze Erde fiebert!

„Wenn du krank bist, musst du erst fiebern, um wieder gesund werden zu können.“

Die Frage ist nur, wie wir nach diesem Fieber zurückkehren wollen und werden. Warten wir jetzt einfach nur auf die Impfung, um damit die Symptome zu bekämpfen (spricht eigentlich auch jemand über die negativen Auswirkungen von Impfungen?) oder wollen wir die Ursachen (Ausbeutung von Erde, Mensch und Tier, krankes Gesundheitssystem, schwaches Immunsystem, globale wirtschaftliche Abhängigkeit usw. ...) erforschen und dort nachhaltig ansetzen, um besser für Krisen gewappnet zu sein bzw. die eine oder andere sogar verhindern oder zumindest mildern zu können?

Wenn dich dein Enkerl in 20 Jahren fragt: "Oma/Opa, was hast du nach Corona anders gemacht? Warum hast du bei diesem Wahnsinn weiter mitgespielt? Warum hast du nichts verändert? Was wirst du ihnen antworten?

Ein Buch für dich
- "Die Durchschnitts-Falle" - von Markus Hengstschläger

phack