Corona als Chance #5 - Spiel nach eigenen Regeln

Österreich, das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten
1.1.2021., 7:45. Die Sonne geht auf. Frische Luft und angenehme 21 Grad schreien nach einem morgendlichen Work Out. Du ziehst dir deine Laufschuhe an und gehst raus, um voller Energie ins neue Jahr zu starten. Pulsuhr und Runtastic sind Geschichte. Der implantierte Chip in deinem Zeigefinger trackt ohnehin deinen Weg, dein Tempo, deinen Puls, deinen Kalorienverbrauch, deinen Muskelzuwachs, deinen Gelenkverschleiß und natürlich dein "Social Distancing". 

Die Silvesterparty in der Stadt ist heuer ausgefallen. Du warst alleine daheim. Das erste Mal, dass du auf der Raclette-Platte nicht um deinen Platz kämpfen musstest. Der Online-Spieleabend mit deinen Freunden war lustig, aber die pantomimische Darstellung des Unwortes des Jahres 2020 "Corona Virus" doch ziemlich schwierig. Das Feuerwerk in deiner Virtual Reality Brille war zwar nicht ganz so beeindruckend wie "in real", aber dafür hat es der Umwelt nicht geschadet. 

Statt dem üblichen Weinviertler Sauvignon Blanc hat dich gestern der köstliche Apfel-Minze-Tee von Sonnentor durch den Abend begleitet. Der schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens bist du heute körperlich topfit und zweitens musst du dafür im Jänner weniger Krankenversicherung bezahlen. Der Chip in deinem Finger überwacht nämlich auch auch dein Blut. Die Regierung hat Alkohol zwar nicht generell verboten, aber für jedes Zehntel Promille in deinem Körper wirst du zur Kasse gebeten. Dafür erfährst du sofort, wenn du mit dem "Zipfer Virus", die Mutation des Corona Virus, infiziert bist. Und nicht nur du. Die Information geht sofort und automatisch an alle Menschen weiter, denen du in den letzten 48 Stunden näher als zwei Meter gekommen bist.

Die zunehmende Kontrolle, Überwachung und Fremdbestimmung durch den Staat irritiert dich zwar nach wie vor ein bisschen, aber die Vorteile überwiegen. 

Denn nachdem du - so wie 2 Millionen andere Österreicher auch - 2020 deinen Job verloren hast und in naher Zukunft keine Aussicht auf einen neuen hast, bist du auf das staatliche, "bedingungslose Grundeinkommen" angewiesen. An jedem Monatsersten wirst du besonders demütig und dankbar, weil du wieder 1.500 Euro vom Staat erhalten hast, ohne etwas dafür geleistet haben zu müssen.

Science Fiction? Kompletter Schwachsinn? Völlig unmöglich?

Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt (mit Ausnahme des bedingungslosen Grundeinkommens)! Und ich glaube es auch nicht! Aber wer kann das in Zeiten wie diesen noch so genau sagen? Hättest du es noch vor wenigen Wochen für möglich gehalten, dass...
// dir die Regierung - mit wenigen Ausnahmen - verbietet, dein Haus zu verlassen?
// sich die Arbeitslosenzahlen innerhalb von einem Monat verdoppeln?
// sämtliche Geschäfte wochenlang zusperren müssen?
// du nur mehr mit Maske einkaufen gehen darfst?
// Kinder nicht mehr in die Schule gehen?
// die Grenzen dicht sind?

Sind also die oben genannten Szenarien wirklich so undenkbar? Vor allem dann, sollte sich diesen Herbst oder Winter möglicherweise die zweite oder dritte große Corona-Welle über Österreich und Europa ausbreiten?

Das Corona Virus stellt aktuell Vieles auf den Kopf. Es verändert unsere Welt, unsere Gesellschaft, unsere individuellen Lebenskonzepte in derart rasanter Geschwindigkeit, dass wir mit unserem Denken nur mehr schwer nach kommen. Umso wichtiger ist es, dich aktuell ganz bewusst mit diesen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Was verändert sich aktuell? Wie sehr greift die Regierung in unser Leben ein? Was machen sie gut, was nicht so? ("Krise mit Kratzern" - sehr treffender Artikel dazu im Standard).

Welche Regeln werden aktuell aufgestellt, denen du blind folgst, ohne sie zu hinterfragen?

Bullshit Rules
Vishen Lakhiani beschäftigt sich in seinem genialen Buch "The Code of the Extraordinary Mind" mit seinen sogenannten "Brules": Bullshit Rules, die wir von unseren Eltern, Lehrern, Kulturen, Regierungen übernommen haben und die unser Leben bestimmen, ohne dass wir sie hinterfragen. Hier ein paar Beispiele:

// Du wirst in eine Religion hineingeboren, die du vielleicht gar nicht vertreten kannst,
// Du isst um Punkt 12 Uhr, obwohl du vielleicht noch gar keinen Hunger hast,
// Du machst einen Job, in den dich deine Eltern hineingedrängt haben,
// Du hörst die Nachrichten, obwohl sie dich nur runterziehen,
// Du baust/kaufst dir ein großes Haus, obwohl dich der Kredit dazu zwingt, ein Leben lang viel zu viel zu arbeiten
--> Mehr dazu in meiner Liste "33 Brules, von denen du dich befreien könntest."

Kannst du aktuell irgendwelche "Brules" erkennen? Regeln, die für dich keinen Sinn machen oder die es zumindest kritisch zu hinterfragen gilt? Und unabhängig davon: Welche Brules bestimmen dein Leben? Welche Regeln prägen deine Glaubens- und Verhaltensmuster? Wo kommen sie her? Von wem hast du sie übernommen? Und ist es an der Zeit, manche davon aufzulösen bzw. sie upzudaten?

Nichts ist unmöglich!
Nütze Corona als Chance, um deine eigenen Regeln aufzustellen! Natürlich im Rahmen des Legalen und Möglichen. Ich will nicht schwarzmalen, sondern nur dazu ermutigen, wachsam und achtsam zu sein. Ich träume auch nicht vom Anarchismus, sondern viel mehr von einer Gesellschaft von Menschen, die ihr Leben aktiv und selbstbestimmt gestalten, Verantwortung übernehmen und ihre Ziele, Träume und Visionen in ein größeres Ganzes integrieren, um unsere Welt in eine positive Richtung weiterzuentwickeln, in manchen Bereichen vielleicht sogar neu zu erfinden. 

Wollen wir wirklich zurück in die "Normalität"?

Wollen wir wirklich wieder den Zustand vor Corona, das fragile, teils kranke System, das erst ermöglicht hat, dass uns ein kleines Virus den Boden unter den Füßen wegreißt? Wohin soll die Wirtschaft noch wachsen, wenn die Ressourcen der Menschen und der Erde ohnehin schon viel zu viel ausgebeutet werden? Wie weit soll die Schere zwischen Reich und Arm noch aufreißen? Dem Pflegepersonal oder den Menschen an den Supermarktkassen jetzt auf die Schulter zu klopfen und ihnen dann nach neuem Kollektivvertrag vielleicht 1,5 % mehr zu bezahlen - das verstehe ich nicht unter Solidarität und wahrer Transformation!

Neue Chancen durch die Digitalisierung
"Menschen online zu coachen geht nicht, kann ich nicht, hat weniger Wirkung", lautete meine Bullshit Rule noch am Anfang dieses Jahres. Corona hat mich gezwungen, es auszuprobieren. Nach über 20 Online Sessions in den letzten vier Wochen habe ich erfahren, dass dieses Format weder besser noch schlechter ist, sondern einfach nur anders. Unterm Strich überwiegen sogar die Vorteile: Mehr Freizeit, weniger Kosten und teilweise sogar mehr Offenheit und Tiefgründigkeit, weil manche Coachees sich in den eigenen vier Wänden wohler und sicherer fühlen.

Bei all den Nachteilen dieser Krise: Kannst du auch einen Vorteil für dich erkennen? Was könnte für dich möglich werden? Was war von wenigen Wochen noch Utopie, das du nun realisieren könntest? Es beginnt alles in deinem Kopf! Alles, was du dir nicht denken traust, kann auch nicht passieren. Schmeiß' zumindest einmal gedanklich alle Grenzen über Bord und fang' an, das Unmögliche möglich zu machen.

2 Übungen für dich
// Nimm dir ein Blatt Papier und mach' drei Spalten. Nimm dir 10min Zeit, um einmal alle Regeln zu brainstormen, nach denen du dein Leben gestaltest - egal wie banal oder wichtig die Regel erscheint - und schreib sie in die linke Spalte. In die mittlere schreibst du, von wem du die Regel übernommen hast und in die rechte, ob du sie weiterhin so übernehmen, updaten oder entfernen möchtest. 

// Hör' dir um Punkt die 5min Nachrichten auf Ö3 an, setze dich danach für eine stille Minute hin und schau' wie es dir dabei geht. Welche Gedanken und Gefühle kommen hoch? Eine Stunde später drehst du anstatt der Nachrichten dein Lieblingslied auf und wenn du Lust hast, singe oder tanze dazu. Setz' dich dann wieder für eine stille Minute hin und schau wieder wie es dir geht. Was ist der Unterschied? Was in deinem Leben tut dir gut? Was bringt dich weiter?

Ein Buch für dich
"Lebe nach deinen eigenen Regeln" von Vishen Lakhiani

phack